Josef Pieper Stiftung


 

Charles Taylor – Preisträger des Josef Pieper Preises 2004

Charles Taylor wurde 1931 in Montreal geboren. Er studierte Geschichte, Philosophie, Politikwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften in Montreal und Oxford. Diesen Universitätsstädten blieb er beruflich als Professor für Politikwissenschaft, Philosophie, Soziale und Politische Theorie bis zu seiner Emeritierung treu. Erst danach wechselte er im Jahre 2002 nach Evanston in Illinois als Professor für Recht und Philosophie. Sein Interesse für politische Philosophie spiegelt sich einmal in seinem konkreten politischen Engagement, aber auch in seinem bedeutenden Werk wider. Seine Stärke liegt in seiner hohen Gesprächsbereitschaft mit Positionen, die seiner eigenen entgegengesetzt sind. Dadurch schafft er stets einen integrativen Ansatz, statt sich polarisierend von anderen abzusetzen, wie Hans Joas herausstellt: "Der vorherrschende Eindruck beim Lesen seiner Schriften ist, dass konkurrierende oder zu kritisierende Denkweisen von ihm keineswegs abgefertigt, sondern als Stimmen höchst ernstzunehmender Gesprächspartner behandelt werden." Besonders in seinen Spätschriften widmet Taylor sich Fragen der Religionsphilosophie, insbesondere dem Faktum der Säkularisierung. In seinen Augen schwindet die Religion nicht, sondern erfährt eine Auffächerung in Abhängigkeit zur jeweiligen Kultur. Auch hier steht sein Anspruch auf einen vernünftigen Dialog im Zentrum, so Hans Joas: "Die moralische und religiöse Erfahrung des einzelnen kann nach einer Deutung rufen, die im Vorrat kultureller Deutungsmuster bereitliegt; sie kann diese auch zu verändern trachten, aber sie kann nicht ex nihilo eine Deutung erzeugen, die völlig unvermittelt wäre zum kulturellen Vorrat. Taylor reklamiert für sich das Recht, aus seiner Erfahrung heraus eine Deutung überzeugend zu finden, in der ein Gott im Sinn der tradierten Gläubigkeit einer bestimmten Kultur unverzichtbar ist. Dies schließt nicht aus, anderen Kulturen andere Deutungen ebenso authentischer religiöser Erfahrungen zuzubilligen. Aber der Weg zum Dialog mit ihnen führt durch die Partikularitäten unserer Religion hindurch, nicht an ihnen vorbei in ein Reich abstrahierter Gemeinsamkeiten." Mit Charles Taylor hat die Josef Pieper Stiftung einen würdigen Preisträger gefunden.  

 

Die Begrüßungsworte von Hans Maier

Die Laudatio von Ludwig Siep

Die Rede von Charles Taylor